{"id":78,"date":"2019-10-30T22:32:01","date_gmt":"2019-10-30T22:32:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.rosdyfilm.com\/dljvd\/?page_id=78"},"modified":"2019-11-01T19:42:22","modified_gmt":"2019-11-01T19:42:22","slug":"01-interview","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.rosdyfilm.com\/dljvd\/01-interview\/","title":{"rendered":"01 Ueber den Film &#8211; 07 Interview mit Paul Rosdy"},"content":{"rendered":"\n[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; custom_padding_last_edited=&#8220;on|phone&#8220; _builder_version=&#8220;4.0.3&#8243; background_image=&#8220;https:\/\/www.rosdyfilm.com\/dljvd\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/01_poster.jpg&#8220; background_position=&#8220;top_center&#8220; custom_margin_tablet=&#8220;&#8220; custom_margin_phone=&#8220;&#8220; custom_margin_last_edited=&#8220;on|desktop&#8220; custom_padding=&#8220;59px||59px||true|false&#8220; custom_padding_tablet=&#8220;84px||84px||true|false&#8220; custom_padding_phone=&#8220;59px||84px||false|false&#8220; custom_margin__hover_enabled=&#8220;off|desktop&#8220;][et_pb_row _builder_version=&#8220;4.0.3&#8243; background_color=&#8220;rgba(255,255,255,0.9)&#8220;][et_pb_column type=&#8220;4_4&#8243; _builder_version=&#8220;4.0.3&#8243;][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.0.3&#8243; custom_padding=&#8220;0px|30px|0px|30px|true|true&#8220; custom_padding_tablet=&#8220;22px||22px||true|true&#8220; custom_padding_phone=&#8220;&#8220; custom_padding_last_edited=&#8220;on|phone&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243;]<p><strong>Interview mit Paul Rosdy<\/strong><\/p>\n<p><strong>Wie haben Sie Alfred Schreyer kennengelernt?<\/strong><br \/>Urspr\u00fcnglich wollte ich einen anderen Film machen, aber als ich im Zuge meiner Recherchen in Drohobytsch Alfred Schreyer begegnete, wurde mir schnell klar, dass ich diesen Film \u00fcber und mit ihm machen musste. Alfred Schreyer zeigte mir Fotos und begann zu erz\u00e4hlen. Bis auf die KZ- und Nachkriegszeit in Deutschland hat er sein ganzes Leben lang nur in Drohobytsch gelebt, aber alles Erdenkliche mitgemacht, was einem im Laufe eines Lebens geschehen kann \u2013 im B\u00f6sen wie im Guten. Ich war tief beeindruckt.\u00a0<\/p>\n<p><strong>Er war ein Sch\u00fcler von Bruno Schulz.<\/strong><br \/>Wenn man wie ich viel Zeit in Drohobytsch verbringt und Bruno Schulz\u2019 zwei kleine, bescheidene, aber doch so gro\u00dfe B\u00fccher<span>\u00a0<\/span><em>Die Zimtl\u00e4den<\/em><span>\u00a0<\/span>und<span>\u00a0<\/span><em>Das Sanatorium zur Todesanzeige<\/em><span>\u00a0<\/span>kennt, dann wird einem klar: man sieht und sp\u00fcrt in seinen B\u00fcchern Drohobytsch \u00fcberall. Wie Alfred Schreyer hat Bruno Schulz fast sein ganzes Leben lang in Drohobytsch gelebt. Seine gro\u00dfartige Literatur verdankt dieser heute so wunderbar vernachl\u00e4ssigten Provinzstadt am Fu\u00dfe der Karpaten sehr, sehr viel.<\/p>\n<p><strong>Was betrachten Sie als das B\u00f6se im Kontext von Alfred Schreyers Leben?<\/strong><br \/>Das B\u00f6se widerf\u00e4hrt ihm durch die Naziherrschaft, die Zwangsarbeit und die Unfassbarkeit dessen, was in Drohobytsch geschah. Im Wald von Bronitza, wo sich diese gro\u00dfen Massengrabplatten befinden, da bekommt die H\u00f6lle ein Gesicht. Es gibt viele W\u00e4lder, wo Juden erschossen wurden, aber nur einen, wo es im Heute so sichtbar wird und das halte ich f\u00fcr sehr wichtig. F\u00fcr mich war von Anfang an klar, dass der Film hier enden wird und als Alfred mir erz\u00e4hlte, dass seine einzige Musikkomposition das Lied<span>\u00a0<\/span><em>Bronitza Wald<\/em><span>\u00a0<\/span>ist&#8230; Naja, als Filmautor, was will man mehr?<\/p>\n<p><strong>Und das Gute?<\/strong><br \/>Diese wahrhaft einzigartige Tradition der Kinofoyer-Orchester und dass Alfred seinen Optimismus nie verloren hat. Ich bewundere das. Hier war einst dieser junge Mann, der alles verloren hat, was es zu verlieren gibt. Au\u00dfer mit viel Gl\u00fcck sein Leben, das er der Tatsache verdankt, dass er vor dem Einschlafen im KZ Lieder sang und damit auf sich aufmerksam machte. Nach dem Krieg entschied er sich spontan, in seine Heimatstadt zur\u00fcckzukehren, wo niemand und nichts mehr war. Gar nichts. H\u00e4tte er drei Monate in den Baracken des Roten Kreuzes in Berlin durchgehalten, w\u00e4re er wahrscheinlich in Buenos Aires gelandet und sein Leben h\u00e4tte einen ganz anderen Lauf genommen. Jeder von uns hat irgendwann einmal eine Entscheidung getroffen, die den weiteren Verlauf seines Lebens bestimmt hat. Man merkt es zumeist erst viel sp\u00e4ter und muss sich damit abfinden und weitermachen. Das ist gut so und Alfred Schreyer hat das auf eine wunderbare Weise getan. Er erz\u00e4hlt und f\u00fchrt uns heute in die H\u00f6lle seiner Heimatstadt, aber ruft auch diese spannende Institution des Kinofoyer-Orchesters in Erinnerung, wo er trotz allem sein Gl\u00fcck fand. F\u00fcr mich ist das Kinofoyer-Orchester ein Traum von dem ich nie tr\u00e4umen konnte, denn z.B. in Wien, da gab es vor den Filmvorf\u00fchrungen eher langweilige Modeschauen. Ich erinnere mich an meine Jugend, wo fast alles, was man mit der Sowjetunion in Verbindung brachte, schlecht gemacht worden ist. Aber im Kinofoyer, da gab es Romantik, wenn das Orchester spielte. Davon tr\u00e4umen heute noch viele \u00e4ltere Leute in der ehemaligen Sowjetunion und ich jetzt auch. Ich bin Alfred Schreyer daf\u00fcr sehr dankbar.<\/p>\n<p><strong>Sie haben den Film, von der Kamera abgesehen, fast ganz alleine gemacht.<\/strong><br \/>Ja, dank der fantastischen Entwicklung in der Technik. Wir haben den Film mit einem Fotoapparat gedreht, mit dem man heute eine erstaunliche Bildqualit\u00e4t erreicht. Ich hatte sehr wenig Geld, wusste aber, dass ich diesen Film so bald wie m\u00f6glich drehen sollte. Ich fragte Peter Roehsler ob er bereit w\u00e4re, mit mir nach Drohobytsch zu fahren und diesen Film zu machen. Ihm war sofort klar, was Drohobych ist und er sagte sofort zu. Daf\u00fcr bin ich ihm sehr dankbar, er ging immerhin gemeinsam mit mir ein Risiko ein, denn die Finanzierung war noch nicht gesichert. Ich besorgte gute Mikrophone und wir drehten den Film in einer Woche im September 2010 und an zwei Nachdreh-Tagen im Mai 2011. Abgesehen von mir und Peter muss ich auch unserem Fahrer Vasyl Levtschyk erw\u00e4hnen, der au\u00dferordentlich hilfreich war, wenn es vor Ort manchmal Probleme beim Zugang zu den Drehorten gab. Obwohl er weder Deutsch noch Englisch spricht und wir weder Ukrainisch noch Russisch konnten, verstand er immer gleich, worum es ging. Er wusste sofort wo der Schuh dr\u00fcckte und l\u00f6ste die Probleme mit einem Huhn und einer Flasche Wodka. Er war also nicht nur unser Fahrer, sondern zugleich auch ein intelligenter Produktionsleiter. Danke Vasyl.\u00a0<\/p>\n<p><strong>Und wie verliefen die Schnittarbeiten?<\/strong><br \/>Das war nat\u00fcrlich Knochenarbeit, aber sch\u00f6n. Es gibt zwei Dinge, die ich beim Schnitt dieses Films gelernt habe: Anfangs verwendete ich bei zwei Passagen Archivfilme, dachte aber dann, es w\u00e4re doch sch\u00f6n, ohne Archivfilme auszukommen, da sie ja nicht, wie in den meisten meiner anderen Filme, ein tragendes Element der Geschichte waren. W\u00e4hrend der Dreharbeiten sagte ich zu Peter, dass ich Fahrtaufnahmen brauchte. Ich wusste noch nicht wof\u00fcr, aber ich wollte sie haben, f\u00fcr alle F\u00e4lle. Ich probierte die Fahrtaufnahmen bei all jenen Stellen, wo Alfred Schreyer von Krieg, Deportation und Massenmord erz\u00e4hlt. Und ich finde es funktioniert sehr gut, weil sie ausschlie\u00dflich in diesem Kontext eingesetzt sind und es daher eine klare Zuordnung gibt.<strong><\/strong><\/p>\n<p>Der zweite Aspekt hat mit den alten Fotos und Postkarten zu tun. Es ist unm\u00f6glich, im heutigen 16:9-Format, diese alten Fotos und Postkarten komplett zu zeigen. Man muss sie entweder oben und unten abschneiden oder links oder rechts schwarze Felder einf\u00fcgen. Das gefiel mir nicht. Dann h\u00f6rte ich allerlei 3D-Gerede bei Dokumentarfilmen, war mir aber bewusst, das hatte mit dieser Geschichte nichts zu tun. Und dann probierte ich einfach, die Bilder einmal komplett zu zeigen und zur gleichen Zeit ein Detail hervorzuheben. Ich finde, das funktioniert ebenfalls und ich bin sehr zufrieden damit.<\/p>\n[\/et_pb_text][\/et_pb_column][\/et_pb_row][\/et_pb_section]\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Interview mit Paul Rosdy Wie haben Sie Alfred Schreyer kennengelernt?Urspr\u00fcnglich wollte ich einen anderen Film machen, aber als ich im Zuge meiner Recherchen in Drohobytsch Alfred Schreyer begegnete, wurde mir schnell klar, dass ich diesen Film \u00fcber und mit ihm machen musste. Alfred Schreyer zeigte mir Fotos und begann zu erz\u00e4hlen. 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